Fahrenheit 451 Reloaded

Irgendwie ist bei mir zur Zeit einiges reloaded. Liegt wohl daran, dass einige Albträume sich in die Realität einschleichen. Der folgende Artikel ist sicher nicht unpolemisch, aber nur so ist meines Erachtens die schleichende Entmündigung und Verdummung der Netizens zu verdeutlichen.


Fahrenheit 451 spielt in einem Staat, in dem es als schweres Verbrechen gilt, Bücher zu besitzen oder zu lesen. Die Gesellschaft wird vom politischen System abhängig, anonym und unmündig gehalten. Drogen und Videowände lassen keine Langeweile aufkommen. Selbstständiges Denken gilt als gefährlich, da es zu anti-sozialem Verhalten führe und so die Gesellschaft destabilisiere. Bücher gelten als Hauptgründe für ein nicht systemkonformes Denken und Handeln. Die noch vorhandenen Bücher aufzuspüren und zu vernichten ist Aufgabe der Feuerwehr. Die Bücher werden an Ort und Stelle angezündet. 451° Fahrenheit ist ungefähr die Temeratur, bei der Bücher brennen.

Gut, Bücher werden bei uns noch nicht wieder verbrannt, und die Feuerwehr ist sicher nicht nur in meiner kleinen Stadt eine wirklich ehrenwerte Gesellschaft.

Bei uns werden wichtige Informationen vor einem großen Teil der Bevölkerung versteckt. Dafür braucht man keine hohen Temperaturen und keine (virtuellen) Stoppschilder. Es werden einfach die Zugangsrechte geändert oder die Daten werden leise und geräuschlos vom Webserver genommen.

Wie konnte es dazu kommen? Es handelt sich um Daten und Informationen, für die viele Bürger gut bezahlt haben. Den mit der Weiterentwicklung des Internets haben alle deutschen Rundfunkanstalten einen großen Teil ihrer Produktionen aufbereitet und online gestellt. Diese künstliche Verknappung wurde mit dem am 1. Juni 2009 in Kraft tretenden Rundfunkstaatsvertrag in der Fassung des 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag erzwungen. Herauszuheben sind die neuen Regelungen in § 11d, die sich mit der Zulässigkeit der Angebote der Anstalten im Internet beschäftigen. Rundfunkrechtlich dürfen die Rundfunkanstalten danach ihre Programme und Begleitinformationen nach der Sendung in der Regel nur noch für 7 Tage zum Abruf bereit halten. Früher durften die Rundfunkanstalten diese Daten fast unbeschränkt zugänglich machen. Die Politik will mit der Neuregelung die privaten Fernsehsender und die privaten Zeitungsverlage stärken.

In Fahrenheit 451 gibt es eine geheime Bücherbewegung, deren Mitglieder Bücher auswendig lernen, damit diese nicht aus dem kollektiven Bewusstsein verschwinden.

Wir müssten die bedrohten Informationen der Rundfunkanstalten nicht auswendig lernen, sondern könnten sie rechtzeitig auf unseren Rechnern sichern um sie bei Bedarf über Peer-to-Peer-Netzwerke zu verteilen.

Das ist in Zeiten der kalten Copyright-Kriege natürlich gefährlich. Deshalb ist die Forderung von Creative Commons Lizenzen für alle „Produkte“ der „Öffentlich-Rechtlichen“ von herausragender Bedeutung. Die Aktion von Markus Beckedahl ist deshalb zu begrüßen, aber sie muss forciert fortgesetzt werden, von den Netz-Piraten und allen Netizens.

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